Philosophin hinterfragt Vorurteile über Körper und Selbstwert
Die Philosophin Kate Manne und die Künstlerin Haley Morris-Cafiero beschäftigen sich mit hartnäckigen Vorurteilen gegenüber dicken Menschen. Im Zentrum steht die Frage, warum Menschen so schnell moralisch nach ihrem Körper beurteilt werden – und wie ein respektvollerer Blick möglich wird.
Warum werden Menschen so häufig nach ihrem Körper beurteilt? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Philosophin Kate Manne und die Künstlerin Haley Morris-Cafiero. Beide zeigen auf unterschiedliche Weise, wie selbstverständlich Vorurteile gegenüber dicken Menschen im Alltag noch immer vorkommen.
Morris-Cafiero machte solche Reaktionen mit ihrer Fotoserie „Wait Watchers“ sichtbar. Sie fotografierte sich im öffentlichen Raum und hielt dabei zufällige Blicke und Reaktionen anderer Menschen fest. Die Bilder zeigen, wie schnell ein Körper zum Anlass für Bewertung werden kann.
Kate Manne untersucht das Thema philosophisch. Sie kritisiert insbesondere die Vorstellung, Körpergewicht sei einfach Ausdruck von Willenskraft oder persönlicher Moral. Der SRF-Beitrag verweist darauf, dass Körpergewicht von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird und dass die verbreitete Vorstellung „selbst schuld“ wissenschaftlich und ethisch zu kurz greift.
Für Manne ist jedoch noch etwas anderes entscheidend: Selbst wenn ein Mensch sein Gewicht vollständig selbst bestimmen könnte, würde daraus kein Recht entstehen, ihn schlechter zu behandeln. Sie vergleicht dies mit anderen Lebensentscheidungen, die Risiken enthalten, ohne dass die betreffenden Menschen deshalb im gleichen Mass moralisch abgewertet werden.
Auch neue Möglichkeiten zum Abnehmen verändern die gesellschaftliche Frage nicht grundsätzlich. Manne warnt davor, dass daraus neuer Druck entstehen könnte, den eigenen Körper an fremde Erwartungen anzupassen.
Als Gegenidee spricht sie von einer Haltung, in der Menschen ihren Körper nicht permanent nach äusseren Massstäben bewerten. Morris-Cafiero formuliert einen ähnlichen Wunsch: Menschen sollten stärker nach ihren Fähigkeiten, ihrem Charakter und ihrem Handeln beurteilt werden – und weniger nach ihrem Aussehen.